Diabetes

Ein schlecht eingestellter Diabetes verschlimmert eine Parodontitis, führt zu mehr Karies, Füllungen und damit letztendlich zu mehr Zahnverlust. Außerdem wirkt er sich langfristig ungünstig auf das Überleben von Implantaten aus. Eine unbehandelte Parodontitis kann die Blutzuckerkontrolle erschweren und einen Diabetes verstärken. Da beide Krankheiten zunächst keine akuten Beschwerden verursachen, werden sie häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Sobald aber eine Erkrankung vorliegt, setzt die erfolgreiche Therapie eine Zusammenarbeit zwischen Patient:in, Zahnärztin oder Zahnarzt und Hausarzt oder Hausärztin beziehungsweise Diabetologin oder Diabetologen voraus. Doch in der Praxis werden die beiden Krankheitsbilder noch viel zu häufig isoliert betrachtet.

Mund- und Allgemeingesundheit gehören zusammen

Mundgesundheit und Allgemeingesundheit stehen in enger Wechselwirkung. So können entzündliche Erkrankungen in der Mundhöhle den Gesamtorganismus beeinträchtigen. Bakterien oder Entzündungen können aus der Mundhöhle über die Blutbahn in weit entfernte Regionen des Körpers gelangen und dort möglicherweise Erkrankungen begünstigen. Aber auch viele Allgemeinerkrankungen haben deutliche Auswirkungen auf die Mundhöhle und können das Risiko für die Entstehung von Karies und Parodontitis erhöhen.

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Perio & Diabetes

Das Video erklärt die Zusammenhänge zwischen Parodontalerkrankungen und Diabetes mellitus und erläutert Maßnahmen, die zur Vorbeugung und Behandlung ergriffen werden können.

Diabetes mellitus und Parodontitis betreffen immer mehr Menschen

Bei Diabetes mellitus und Parodontitis handelt es sich um weit verbreitete chronische Erkrankungen. In Deutschland gibt es circa 20 Millionen Patient:innen mit behandlungsbedürftigen Erkrankungen des Zahnhalteapparates, davon etwa zehn Millionen schwere Fälle. Aber nur ein kleiner Teil davon wird umfassend behandelt.

Ähnlich verhält es sich beim Diabetes: acht Prozent der Menschen in Deutschland sind davon betroffen. Schätzungen gehen davon aus, dass auch beim Diabetes nur 80 Prozent erkannt und behandelt werden, denn beide Erkrankungen bleiben lange Zeit unbemerkt, da sie zunächst nahezu schmerz- und symptomlos verlaufen und oft erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium erkannt werden. Hinzu kommt, dass sich beide Volkskrankheiten gegenseitig verstärken.

der mund

Der Mund ist einer der bemerkenswertesten Teile unseres Körpers und der Spiegel unserer Gesundheit.

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Rechtzeitige Diagnose des Diabetes beugt Begleiterkrankungen vor

Bleiben die erhöhten Blutzuckerwerte längere Zeit unerkannt, schädigen sie auf Dauer Blutgefäße und führen zu Durchblutungsstörungen in verschiedenen Körperregionen. Die Begleiterkrankungen können sich unter anderem in Augen-, Nieren- und Nervenschäden oder dem diabetischen Fußsyndrom äußern. Auch ist das Risiko für einen Schlaganfall, Herzinfarkte und letztendlich einem verfrühten Tod erhöht. Eine bestehende und unbehandelte Parodontitis verstärkt die Folgen einer Diabeteserkrankung. Sowohl schlecht eingestellter Typ-1- als auch Typ-2-Diabetes erhöhen wiederum das Risiko für Parodontalerkrankungen, Karies, Zahn- und Implantatverlust.

Beobachten Sie eine Veränderung an Ihrem Zahnfleisch und/oder Ihren Zähnen? Dann sollten Sie Ihre Zahnärztin oder Ihren Zahnarzt aufsuchen. Denn nur sie oder er kann eine sichere Diagnose stellen und die geeigneten therapeutischen Maßnahmen einleiten, um weitere Schäden zu verhindern.

Im Rahmen der Kontrolluntersuchung kann Ihr Zahnarzt oder Ihre Zahnärztin mit einer Früherkennungsuntersuchung des Zahnfleisches, dem Parodontalen Screening Index (PSI), den Gesundheitszustand des Parodonts schnell überprüfen und sicherstellen, dass schwerwiegende Erkrankungen des Zahnhalteapparates nicht übersehen werden.

Junge Frau zeigt auf eine entzündete Stelle an ihrem Zahnfleisch

Selbsttest Parodontitis

Die DG PARO hat zusammen mit der Universität Greifswald einen Selbsttest entwickelt und validiert, mit dem Sie Ihr eigenes Risiko für eine Parodontitis einfach zu Hause einschätzen können – mit nur sieben einfachen Fragen. Dieser Test ist auch als App erhältlich.

Diabetes-Selbsttest

Mit dem GesundheitsCheck DIABETES (FINDRISK) der Deutschen Diabetes Stiftung können Sie mit nur acht Fragen Ihr individuelles Risiko, in den nächsten 10 Jahren an Typ-2-Diabetes zu erkranken, einfach und schnell ermitteln.

A teen male (17 year-old) testing his blood-sugar level with a modern glaucometer (glucose meter or glucometer).

Anzeichen für eine mögliche Diabeteserkrankung​

  • Starker Durst
  • Häufiges Wasserlassen (starker Harndrang)
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Trockene Haut und Juckreiz
  • Schlecht heilende Wunden
  • Neigung zu Infektionen
  • Sehstörungen
  • Starke Gewichtsabnahme (Typ-1-Diabetes)

Wenn Sie eines oder mehrere dieser Anzeichen für einen möglichen Diabetes bei sich beobachten, sollten Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt aufsuchen, die oder der mithilfe spezieller Blutzuckertests eine Erkrankung feststellen beziehungsweise ausschließen kann.

Dreifach höheres Risiko für Parodontitis bei Diabeteserkrankung

Neben den schon lange bekannten Spätschäden wie Nierenschädigungen, Nervenerkrankenungen und deren Folgen wird heute auch von der Parodontitis als einer weiteren wichtigen Diabetesfolgeerkrankung gesprochen. So haben Diabetespatienten und -patientinnen im Vergleich zu Menschen, die nicht an Diabetes leiden, ein dreifach erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken. Eine manifeste Parodontitis erschwert im Gegenzug bei Diabetes die Stoffwechselkontrolle und verschlechtert dessen glykämische Einstellung.

Verbreitung, Schweregrad und Verlauf der Parodontitis und des Zahnverlustes sind mit Diabetes mellitus verknüpft. Unabhängig vom Diabetestyp ist die parodontale Situation signifikant schlechter. Sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetes sind als Risikofaktor für Parodontitis einzustufen. Die Progression von Parodontitis ist bei Diabetes beschleunigt, was sich auch in höherem Zahnverlust manifestiert.

Ist die oder der Diabetespatient:in allerdings gut eingestellt, weist sie oder er kein erhöhtes Risiko auf und spricht ähnlich gut auf eine Parodontitistherapie an wie Patient:innen, die nicht an Diabetes leiden. Mit schlechterer glykämischer Kontrolle hingegen nimmt das Risiko für eine parodontale Destruktion und Zahnverlust zu.

Titelbild Patienten-Ratgeber Diabetes: junger Mann lächelt

Ratgeber Parodontitis & Diabetes

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Vortrag: Duo infernale - Zucker und Zahnfleisch

Anlässlich des Parodontologietages 2020 beleuchtete Prof. Dr. med. dent. Peter Eickholz, Direktor der Poliklinik für Parodontologie in Frankfurt, am 12. Mai 2020 im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität den Zusammenhang zwischen Diabetes und Parodontitis.​

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Parodontitis nicht unbehandelt lassen

Eine unbehandelte Parodontitis erschwert nicht nur bei diagnostizierten Menschen mit Diabetes die Blutzuckereinstellung. Auch bei Menschen mit Prädiabetes (Blutzuckerwerte sind erhöht, aber noch kein Diabetes) ist das Risiko für eine Verschlechterung der Blutzuckerwerte beziehungsweise die Entstehung eines Diabetes mellitus als Folge der parodontalen Erkrankung erhöht.

Mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen kann eine Parodontalerkrankung erfolgreich behandelt werden. Je früher die beiden Krankheiten diagnostiziert und therapiert werden, umso größer die Chancen, Zahnverlust und die Folgeschäden des Diabetes zu mindern.

Hat Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt bei Ihnen eine Parodontitis diagnostiziert, dann nehmen Sie gewissenhaft und regelmäßig Ihre Behandlungs- und anschließend Ihre Nachsorgetermine wahr. Durch eine erfolgreiche Parodontitistherapie können Sie langfristig der Entstehung eines gestörten Zuckerstoffwechsels vorbeugen und somit einen wichtigen Beitrag nicht nur für gesunde Mundverhältnisse, sondern auch für Ihre Allgemeingesundheit leisten.

Ein gesunder Lebensstil in Verbindung mit gründlicher Mundhygiene und regelmäßigen Kontroll- beziehungsweise Prophylaxebesuchen beim Ihrem Zahnarzt oder Ihrer Zahnärztin kann die Risiken für Parodontitis, Karies, Zahn- und Implantatverlust deutlich verringern und damit zum Erhalt der allgemeinen Gesundheit beitragen.
Junge Frau mit Insulinpumpe macht Sport

Was können Sie als Diabetiker:in selbst tun?

Mit Zähneputzen fängt es an …

Ohne Beläge kann keine Gingivitis beziehungsweise keine Parodontitis entstehen! Daher ist eine gründliche Mundhygiene die erste und wichtigste Voraussetzung, um Erkrankungen des Zahnhalteapparates vorzubeugen.

Regelmäßige Mundhygiene

Reinigen Sie alle Zähne zweimal täglich sorgfältig mit Zahnbürste und Zahnpasta.

Für die Reinigung der Zahnzwischenräume sind Zahnzwischenraumbürsten am besten geeignet (bei sehr engen Zwischenräumen Zahnseide). Lassen Sie sich bei der Auswahl und Anwendung der Hilfsmittel zur Zahnreinigung beraten und instruieren. Beachten Sie die Tipps und Hinweise des zahnärztlichen Teams! Mundspüllösungen bieten einen zusätzlichen Nutzen zum Zähneputzen bei der Behandlung von Gingivitis. Sie sind aber KEIN Ersatz zur mechanischen Zahnreinigung und verringern auch nicht die Zeit, die Sie zum Zähneputzen brauchen.

Termine einhalten

Gehen Sie auch ohne Beschwerden einmal jährlich zum/zur Zahnärzt:in. Lassen Sie regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung (PZR) durchführen, um sämtliche Beläge, auch von den schwer erreichbaren Stellen, zu entfernen.

Gesundheitsbewusst leben

Mangelnde Mundhygiene ist die Hauptursache für Parodontitis. Daneben gibt es weitere Risikofaktoren, die Sie beeinflussen können, um das Erkrankungsrisiko weiter zu senken:

Verzichten Sie auf das Rauchen.

Ernähren Sie sich abwechslungsreich und ausgewogen. Sorgen Sie für ausreichend Bewegung.

Vermeiden Sie Stress.

Fachbegriff Glossar

Zahnarzt mit Team in Praxis

Spezialisten- und Master-suche

Sie haben eine Diabetes-Erkrankung und suchen eine:n auf Parodontologie spezialisierten Zahnarzt oder Zahnärztin?

Nutzen Sie unsere Suche, um DG PARO-Spezialist:innen und -Master in Ihrer Nähe zu finden.

Weiterführende Informationen für Diabetiker

diabetesDE

Deutsche Diabetes-Hilfe ist eine gemeinnützige Gesundheitsorganisation, die sich aktiv für die Interessen der mehr als sieben Millionen Menschen mit Diabetes, ihrer Angehörigen sowie der Risikopatienten einsetzt.

Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes

Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) e. V. setzt sich für eine bessere Lebensqualität für Menschen mit Diabetes ein und berücksichtigt dabei auch die Eltern und Geschwister der Betroffenen.

Deutsches Diabetes-Zentrum

Das DDZ ist eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung, die Grundlagenforschung mit klinischen und epidemiologischen Forschungsansätzen vernetzt.

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